Du brauchst einen Freund

Heute besuche ich einen Freund. Er lebt weiter weg, deshalb haben wir uns seit Mai nicht mehr gesehen. DubrauchsteinenFreund

Auf der einen Seite freue ich mich sehr auf diese Begegnung. Auf der anderen Seite habe ich in den letzten Monaten enttäuschende Erfahrungen mit Freunden gemacht.

Nach dem Umzug in meine alte Heimat hoffte ich alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen. Daraus ist leider nichts geworden. Alte Freunde haben sich entfremdet oder zurückgezogen.

Ich gestehe, dass mir ein richtiger Freund fehlt. Ein Freund, der in meiner Nähe lebt und der da ist. Jeder braucht so einen Freund.

Dabei spreche ich von gleichgeschlechtlichen Freundschaften. Männer als Freunde und Frauen als Freundinnen.

Der Begriff Freund

Der Begriff Freund hat leider durch Facebook einen ganz neuen Sinn bekommen. Ich habe 490 Freunde bei Facebook, aber das bedeutet gar nichts. Ok, einigen gefallen die Fotos von meinem Sohn, aber das ist auch alles.

Es ist so leicht Freunde zu bekommen bei Facebook, aber so schwer richtige Freunde zu finden im echten Leben.

Ein richtiger Freund investiert mehr als einen Mausklick. Ein richtiger Freund investiert Zeit und freut sich an der Begegnung. Ein richtiger Freund nimmt Anteil am echten Leben des anderen.

Beziehungsstatus?

Wie ist eigentlich dein Beziehungsstatus?

Ich meine nicht, wieviele Freunde du hast oder ob du verheiratet oder auf der Suche bist. Ich meine, ob du als Mann einen richtigen Freund oder als Frau eine richtige Freundin hast?

Kann es sein, dass du längst vergessen hast, was es bedeutet einen richtigen Freund zu haben. Vielleicht hattest du in deiner Kinder- und Jugendzeit einen richtigen Freund, aber das ist längst vergessen. Jetzt lebt jeder irgendwie sein Leben. Kaum einer hat Zeit und wenn man sich trifft, dann bleibt es oberflächlich.

Aber lass es mich klar sagen: Mann, du brauchst einen Freund. Frau, du brauchst eine Freundin.

Der Beginn einer Freundschaft

Wenn du dich nun fragst, wo du solch einen Freund findest, will ich dir sagen, dass du nicht danach suchen brauchst.

Das Geheimnis einer echten Freundschaft besteht darin, dass wir uns den Freund nicht aussuchen. Gott selbst ist der Zeremonienmeister, der Freunde füreinander aussucht, sagt C.S.Lewis. Er sagt weiter

Freundschaft ist keine Belohnung für unser feines Gespür und unseren guten Geschmack einander zum Freund zu wählen. Sie ist das Werkzeug, mit dem Gott jedem die Schönheiten der anderen offenbart. Sie sind nicht außergewöhnlicher als die Schönheiten von tausend anderen Menschen; in der Freundschaft aber öffnet Gott uns die Augen für Sie. (C.S.Lewis, „Was man Liebe nennt“, S.69)

Dies solltest du unbedingt beachten.

Suchst du einen Freund, dann bitte Gott, dass er dir einen schenkt. Hast du einen guten Freund, dann danke Gott, dass „er dir die Augen geöffnet hat, für die Schönheit des anderen.“

Das Wesen von Freundschaft

Um zu verstehen, warum du einen Freund brauchst, ist es wichtig zu verstehen, was Freundschaft eigentlich ist.

C.S. Lewis hat hierzu treffende Gedanken in seinem Buch „Was man Liebe nennt“ aufgeschrieben. Er sagt:

Freundschaft ist eigentlich unnötig. Zumindest für das menschliche Fortbestehen. Sie besitzt keinen Wert für den Lebenskampf, aber sie gehört zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen. Freunde finden einander, weil sie das Interesse für die gleiche Sache teilen. Freunde stehen Seite an Seite. Ihre Augen blicken nach vorn.  Es geht um die gemeinsame Vision, die Freunde verbindet. Ohne diesen Inhalt einer Freundschaft gibt es keine Freundschaft. Wer kein Ziel hat, kann keine Reisegefährten haben.

Deswegen meine Frage an dich: Was ist dein Ziel? Wonach strebst du? Was ist deine Leidenschaft?

Wenn du einen echten Freund finden willst, dann musst du von etwas begeistert sein. Ansonsten wirst du niemanden finden, der dein Reisegefährte wird und die Vision mit dir teilt.

Der geistliche Aspekt einer Freundschaft

Natürlich gibt es Freundschaften auch unter Menschen, die Jesus nicht nachfolgen. Aber die tiefgehendste Freundschaft entsteht dort, wo zwei Menschen den Weg des Glaubens miteinander gehen.

Das zeichnete schon eine Freundschaft aus, von der wir im Alten Testament lesen. David und Jonathan waren zwei Freunde, in deren Freundschaft ein geistlicher Aspekt zum Ausdruck kam. Als David am absoluten Tiefpunkt seines Lebens angekommen war, brauchte er seinen Freund. Und dann lesen wir in 1.Sam 23,16:

Und Jonathan ging hin und stärkte sein Vertrauen in Gott.

Das ist der wertvolle geistliche Aspekt einer Freundschaft unter gleichgesinnten Menschen, die Jesus nachfolgen. David brauchte einen Freund, der für ihn da war und der ihm half weiter zu machen. David hatte sein Vertrauen verloren. Sein Glaube war wertlos geworden. Jonathan half David wieder Mut zu fassen und Gott zu vertrauen.

Echte Freunde ermutigen einander. Es geht um ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Jeder braucht in seinem Leben Ermutigung. Freunde sind genau dafür da. 

Echte Freunde fördern Gottvertrauen. Manchmal passiert es, dass der Glaube des einen Freundes ins Wanken gerät. Vielleicht gibt es Niederlagen und Zweifel entstehen. Freunde sind dafür da um neuen Glaubensmut zu fördern. 

Du bist gefragt

Falls dir nun jemand einfällt, der für dich solch ein Freund ist, dann möchte dich zu folgendem ermutigen.

Melde dich bei deinem Freund oder Freundin. Versuche noch in der Adventszeit ein Treffen festzulegen. Nur ihr zwei und dann sprecht über das, was euch bewegt.

Hat dir der Artikel gefallen sende diesen deinem Freund oder Freundin. Erkläre kurz, worum es in diesen Artikel geht und bedanke dich herzlich für die Freundschaft.

Vielleicht ist aber die Beziehung zu deinem Freund oder Freundin eingeschlafen. Dann nimm doch allen Mut zusammen und melde dich bei deinem alten Freud. Sprich über dein Bedauern, dass die Beziehung ist, wie sie ist. Falls du selbst Schuld auf dich geladen hast, dann bekenne diese. Wenn möglich strebe einen Neuanfang an.

Hast du keinen Freund der für dich da ist, dann habe ich nur einen Ratschlag. Bitte Gott, dass er dir einen echten Freund schenkt. 

Frage: Was denkst du über das Thema Freundschaft? Möchtest du meinen Beitrag durch einen Gedanken ergänzen. Ich würde mich sehr freuen zu hören, was dir Freundschaft bedeutet. Teilst du meine Bedenken, dass die Bedeutung „Freund zu sein“ irgendwie verloren gegangen ist?

Comments

  1. Ein sehr schöner Artikel, der mich mal wieder sehr berührt, denn der letztere Punkt ist bei mir der Fall… klar ich kenn viele Leute und so… aber ein wirklicher Freund, ja der fehlt mir… =/

  2. schorschey says:

    vorweg: ein guter artikel, der zum nachdenken anregt. aber darin gibt es einige punkte die ich anders sehe:

    1.: was leider fehlt, ist der erste schritt, einen freund zu finden: du musst ein freund sein. was ist ein freund? freundschaft (also die echte, tiefgründige, von der du hier sprichst) setzt unbedingte liebe vorraus. ein freund steht nicht nur an deiner seite, sondern hinter dir, hält dir den rücken frei, stärkt dir den rücken. ein freund muss nicht deiner meinung sein, um dich zu unterstützen. ein freund verzeiht, ein freund ist da, wenn du ihn brauchst, auch wenn du zuvor mist gebaut hast und die offenen arme eigentlich überhaupt nicht verdient hast. und das wichtigste: ein freund beurteilt dich nicht nach dem was du tust, sondern nach dem was du bist.
    nur wer bereit ist, so für einen menschen da zu sein, kann auch einen freund finden, der das gleiche für ihn tut. und das ist nach meinem eindruck das problem heutzutage: die menschen fragen zuerst, was sie von der beziehung bekommen, bevor sie fragen, was sie geben können.

    2.: ich halte es für falsch, diese art von freundschaft, von der du hier sprichst auf die gleichgeschlechtliche beziehung zu reduzieren. natürlich gibt es themen und probleme, bei der einem das andere geschlecht nicht helfen kann, weil vielleicht das verständnis fehlt. aber ich habe in meiner schwester moni und esther zwei freundinnen, die den gleichen stellenwert haben wie mein bester freund martin.

    3.: „Freundschaft ist eigentlich unnötig. Zumindest für das menschliche Fortbestehen. Sie besitzt keinen Wert für den Lebenskampf, aber sie gehört zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen.“
    freundschaft ist existentiell für jeden menschen. ohne soziale beziehungen geht der mensch ein, verliert den lebensmut (und damit den lebenskampf), weil es niemanden gibt, für den es sich zu leben lohnt. der mensch ist ein herdentier, das ist seit urzeiten so. um gott zu zitieren: „es ist nicht gut, dass der mensch allein ist.“ im totenschein würde mit sicherheit eine andere diagnose stehen, aber man kann an einsamkeit sterben.

    4.: „Es geht um die gemeinsame Vision, die Freunde verbindet. Ohne diesen Inhalt einer Freundschaft gibt es keine Freundschaft.“
    falsch. möglicherweise braucht der mensch eine vision. ich selbst lebe nach dem motto „der weg ist das ziel“. ich habe einen bausparvertrag, aber ein eigenheim ist auch schon alles, wonach ich strebe. ein guter mensch zu sein, ohne anderen mit meinem lebenswandel zu schaden und dabei einen gewissen lebensstandart zu halten ist für mich ziel genug. ein freund muss (kann) nicht den ganzen weg mit dir gehen. er kann stückweise begleiten, vielleicht hier und da ein proviantpaket für dich abstellen oder den weg zeigen, wenn er schon vorher an dem punkt war. natürlich schadet eine gemeinsame vision nicht, aber sie ist keinesfalls grundvoraussetzung. man könnte diesen satz vielleicht auf ein ehepaar anwenden, denn die liebe zwischen mann und frau verliert irgendwann an kraft, wenn man kein gemeinsames ziel hat und die berühmte rosarote brille weg ist.

    ich denke, dass diejenigen, die glauben keine echten freunde zu haben, sich umschauen und fragen sollten, ob sie den freund bishier einfach nur nicht erkannt haben. wie gesagt: einen freund zu finden setzt voraus ein freund zu sein. oder um es mit savas zu sagen: „guck was der andere macht und tu etwas gutes. und etwas gutes kommt zu dir, gerade wenn du´s nicht vermutest.“

    dies ist ein sehr interessantes thema und ich würde mich freuen, wenn wir hier eine ebenso interessante diskussion starten würden!

    • Hallo Georg,

      danke, dass du dir die Zeit genommen hast, so ausführlich zu kommentieren. Lass mich kurz auf die Dinge eingehen, die du geschrieben hast.

      Zu 1. Ich finde deine Gedanken sehr treffend. Freundschaft setzt liebe voraus. Dem stimme ich unbedingt zu. Du ergänzt den Gedanken der Freundschaft um einen wichtigen Aspekt und das Thema ließe sich natürlich noch viel länger ausführen als in den 988 Worten, die ich geschrieben habe. Freundschaft ist auf jeden Fall mehr als das was ich beschrieben habe.

      Zu 2. Es stimmt absolut, dass Freundschaft nicht nur zwischen gleichgeschlechtlichen Partner gesehen werden sollte. Der Eheparter bzw Freund oder Freundin sollte der beste Freund von allen sein. Diesen Aspekt habe ich nicht beleuchtet. Werde ich vielleicht mal tun. Aber darüber hinaus brauchen wir auch gleichgeschlechtliche Freunde. Das wollte ich sagen.

      Zu 3. Hier muss ich dir widersprechen. Es gibt so viele Menschen, die ohne richtige Freunde ihr Leben leben. Der Mensch braucht Beziehungen, so viel steht fest. Ohne sie geht er ein, aber er kommt ganz gut ohne aus. Zum Überleben braucht man keinen Freund.

      Zu 4. Auch hier stimme ich dir nicht zu. Ich selbst habe es schon oft erlebt, wie Freundschaften auseinandergingen, weil die Vision nicht mehr die gleiche war. Weil man nicht mehr die gleichen Interessen teilt, gehen Freundschaften auseinander. Das weißt du wahrscheinlich selbst ganz genau. Entweder sagst du, dass waren keine richtigen Freunde oder du musst mir zustimmen. Freunde finden sich nicht, weil sie einfach bereit sind Freund zu sein, sondern weil man gemeinsame Interessen hat. Ich persönlich habe das genauso erlebt.

      Ich wünsche dir, dass du ein guter Freund sein kannst, und das andere dir solche Freunde sind. Ich will es sein.