Vergeude deine MS nicht!

 

[Dieser Artikel ist eine Adaption eines Artikels von John Piper mit dem Titel „Don’t Waste Your Cancer“. Die deutsche Übersetzung „Den Krebs nicht vergeuden“ findet sich hier. Ich habe diesen Artikel umgeschrieben und meine Krankheit eingefügt. Ich gebe zu, dass der Inhalt an einigen stellen nicht eins zu eins zu meiner Krankheit passt. Besonders an den Stellen, die von der Realität des Todes sprechen. Ich habe diesen Artikel umgeschrieben und für mich ein Glaubensbekenntnis daraus gemacht. Daran will ich in Zukunft festhalten.]

1. Ich vergeude meine MS, wenn ich nicht daran glaube, dass sie von Gott für mich vorgesehen ist.
Es genügt nicht, zu sagen, dass Gott meine MS nur benutzt, Sie jedoch nicht vorsieht. Was Gott zulässt, lässt er aus einem bestimmten Grund zu. Und dieser Grund ist sein Plan.Wenn Gott vorhersieht, dass aus molekularen Veränderungen MS wird, kann er diesen aufhalten oder auch nicht. Tut er es nicht, verfolgt er eine Absicht. Da er unendlich weise ist, kann man diese Absicht einen Plan nennen.

Satan ist real und verursacht viele Freuden und Schmerzen. Doch er ist nicht endgültig.Wenn er also Hiob mit bösen Geschwüren schlägt (Hiob 2,7), führt Hiob dies letzten Endes auf Gott zurück (Hiob 2,10) und der erleuchtete Schreiber stimmt dem zu: „Sie … trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte.“ (Hiob 42,11). Wenn ich nicht glaube, dass meine MS von Gott für mich geplant ist, vergeuden ich sie.

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photo credit: Thomas Hawk via photo pin cc

2. Ich vergeude meine MS, wenn ich glaube, dass sie ein Fluch und kein Geschenk ist.
„Also [gibt es] jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind.“ (Römer 8,1). „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist“ (Galater 3,13). „Denn es gibt keine Zauberei gegen Jakob und keine Wahrsagerei gegen Israel.” (4. Mose (Numeri) 23:23). „Denn Gott, der HERR, ist Sonne und Schild. Gnade und Herrlichkeit wird der HERR geben, kein Gutes vorenthalten denen, die in Lauterkeit wandeln.” (Psalm 84:12).

3. Ich vergeude meine MS, wenn ich Trost bei meinen Chancen suche statt bei Gott.
Der Plan Gottes bei meiner MS besteht nicht darin, mich in der rationalistischen, menschlichen Berechnung der Chancen zu schulen. Die Welt erhält Trost aus ihren Chancen. Nicht so die Christen. Manche zählen ihre Wagen (Prozentsatz der Überlebenschancen) und manche zählen ihre Rosse (Nebenwirkungen der Behandlung), wir aber zählen auf den Namen des Herrn, unseres Gottes (Psalm 20,7).

Gottes Plan wird deutlich in 2. Korinther 1,9: „Wir selbst aber hatten in uns selbst [schon] das Urteil des Todes erhalten, damit wir nicht auf uns selbst vertrauten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt.“ Das Ziel Gottes bei meiner MS besteht (neben tausend anderen guten Dingen) darin, die Stützen unter meinem Herzen wegzuschlagen, damit ich mich ganz auf ihn verlasse.

4. Ich vergeude meine MS, wenn ich mich weigere, über den Tod nachzudenken.
Wir werden alle sterben, wenn Jesus seine Wiederkehr verschiebt. Nicht darüber nachzudenken, wie es sein wird, wenn man diese Welt verlässt und Gott begegnet, ist töricht. In Prediger 7,2 heißt es: „Besser, ins Haus der Trauer [zu einer Beerdigung] zu gehen, als ins Haus des Gastmahls zu gehen; denn jenes ist das Ende aller Menschen, und der Lebende nimmt es sich zu Herzen.“

Wie kann man es sich zu Herzen nehmen, wenn man nicht darüber nachdenkt? In Psalm 90,12 heißt es: „So lehre [uns] denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ Die Tage zu zählen heißt, darüber nachzudenken, wie wenige es sind, und dass sie enden werden. Wie will man ein weises Herz erlangen, wenn man sich weigert, darüber nachzudenken? Wie sinnlos, wenn ich nicht über den Tod nachdenke.

5. Ich vergeude meine MS, wenn ich meine, die MS zu „schlagen“ bedeute, den Verlauf zu verlangsamen und nicht, an Christus festzuhalten.
Satans und Gottes Pläne mit meiner MS sind nicht dieselben. Satan plant, meine Liebe für Christus zu zerstören. Gott plant, meine Liebe zu Christus zu vertiefen. Die MS gewinnt nicht, wenn ich sterbe oder ich immer mehr abbaue. Sie gewinnt, wenn ich nicht an Christus festhalte.

Gottes Plan ist es, mich von der Brust der Welt zu entwöhnen und mich mit der ausreichenden Fülle Christi zu nähren. Er soll mir helfen, dies zu sagen und zu fühlen: „Ich achte auch alles für Verlust um der unübertrefflichen Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen.“ Und deshalb zu wissen: „Denn das Leben ist für mich Christus und das Sterben Gewinn.“ (Philipper 3,8; 1,21).

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photo credit: a.drian via photo pin cc

6. Ich vergeude meine MS, wenn ich zu viel Zeit darauf verwende, über die Krankheit zu lesen, und nicht genug Zeit darauf, über Gott zu lesen.
Es ist nicht falsch, sich über MS zu informieren. Unwissenheit ist keine Tugend. Doch die Verlockung, immer mehr zu wissen und der fehlende Eifer, Gott immer mehr zu kennen, sind symptomatisch für den Unglauben. Die MS soll mich zur Wirklichkeit Gottes erwecken. Sie soll dem Gebot in Hosea 6,3 Gefühl und Kraft verleihen: „So lasst uns [ihn] erkennen, [ja,] lasst uns nachjagen der Erkenntnis des HERRN!“ Sie soll mich zur Wahrheit in Daniel 11,32 erwecken: „Das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und entsprechend handeln.“

Er soll aus mir einen unerschütterlichen, unzerstörbaren Eichenbaum machen: „Er hat seine Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.“ (Psalm 1,2-3). Wie sinnlos ist die MS, wenn ich Tag und Nacht über die Krankheit lese und nicht über Gott.

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photo credit: VinothChandar via photo pin cc

7. Ich vergeude meine MS,, wenn ich mich von ihr in die Einsamkeit treiben lasse, statt meine Beziehungen mit offenkundiger Liebe zu vertiefen.
Als Epaphroditus Paulus die Geschenke überbrachte, die die Kirche der Philipper gesandt hatte, wurde er krank und starb beinahe. Paul sagt den Philippern: „Da er ja sehnlich nach euch allen verlangte und er sehr in Unruhe war, weil ihr gehört hattet, dass er krank war.“ (Philipper 2,26).

Was für eine erstaunliche Antwort! Es heißt nicht, dass sie in Unruhe waren, weil er krank war, sondern dass er in Unruhe war, weil sie gehört hatten, dass er krank war. Ein solches Herz will Gott mit der MS erschaffen: ein zutiefst liebendes, sorgendes Herz für die Menschen. Ich will meine MS nicht vergeuden, indem ich mich in mich selbst zurückziehe.

8. Ich vergeude meine MS, wenn ich trauere wie jene, die keine Hoffnung haben.
Paulus verwendete diese Worte in Bezug auf jene, denen geliebte Menschen gestorben waren: „Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht betrübt seid wie die übrigen, die keine Hoffnung haben.“ (1. Thessalonicher 4,13).

Es gibt Trauer beim Tod. Selbst für den Glaubenden, der stirbt, gibt es einen zeitweiligen Verlust – einen Verlust des Körpers, und einen Verlust der geliebten Menschen hier, und einen Verlust des geistlichen Dienstes auf Erden. Doch die Trauer ist anders – sie ist von Hoffnung durchdrungen. „Wir möchten lieber ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn sein.“ (2. Korinther 5,8). Ich will meine MS nicht vergeuden, indem ich trauere wie jene, die keine Hoffnung haben.

9. Ich vergeude meine MS, wenn ich die Sünde so beiläufig wie bisher behandele.
Sind meine eingefleischten Sünden so verlockend wie vor meiner MS? Wenn ja, dann verschwende ich meine MS. Die MS soll den Appetit auf Sünde zerstören. Stolz, Gier, Lüsternheit, Hass, Unversöhnlichkeit, Ungeduld, Faulheit, Verzögern – all diese sind die Gegner, die die MS angreifen soll. Ich darf nun nicht daren denken, gegen die MS zu kämpfen. Ich muss auch daran denken, mit der MS zu kämpfen.

All diese Dinge sind schlimmere Feinde als die MS. Ich darf die MS nicht verschwenden, diese Feinde zu vernichten. Ich will dass durch die Gegenwart der Ewigkeit die Sünden der Zeit so sinnlos aussehen, wie sie tatsächlich sind. „Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder einbüßte?“ (Lukas 9,25).

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photo credit: Lynda Giddens via photo pin cc

10. Ich vergeude meine MS, wenn ich sie nicht als ein Mittel nutze, Wahrheit und die Herrlichkeit Christi zu bezeugen.
Christen sind niemals irgendwo durch göttlichen Zufall. Es gibt Gründe dafür, dass wir dort ankommen, wo wir sind. Ich bedenke also, was Jesus über schmerzhafte, ungeplante Umstände sagte: „Vor diesem allem aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an die Synagogen und Gefängnisse überliefern, um euch vor Könige und Statthalter zu führen um meines Namens willen. Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen.” (Lukas 21,12 -13). Ebenso ist es mit der MS. Sie wird eine Möglichkeit sein, Zeugnis abzulegen. Christus ist unendlich wertvoll. Hier ist eine goldwerte Möglichkeit zu zeigen, dass er mehr wert ist als das Leben. Diese will ich nicht vergeuden.

Ich will daran denken, dass ich nicht verlassen bin. Ich werde die Hilfe haben, die ich brauche. „Mein Gott aber wird alles, was ihr bedürft, erfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.” (Philipper 4,19)

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Frage: Was denkst du über diese Einstellung zu einer schweren chronischen Krankheit? Könntest du es auch so sagen? Wie leicht oder wie schwer fällt es dir mit Leid umzugehen? Ich würde mich freuen, deine Meinung zu hören.