Was du über das Thema Leid in der Bibel findest

 

Die Bibel ist ein Buch, das wie kein anderes über die Realität von Leid spricht. Das macht die Bibel gerade so lebensnah.

Realitätsfern ist es jedoch, wenn wir die Tatsache des Leides verleugnen und weg erklären. Erst am Sonntag kam eine Frau nach dem Gottesdienst zu mir und gab mir eine Karte mit Bibelversen. Unter anderem stand dort als abschließender Kommentar, die Krankheit ist nicht von Gott. Er wollte nie, dass Du & Ihr diese Erfahrung machen müsst. [Zur Erklärung: Ich habe eine chronische Krankheit mit dem Namen MS. Hier kannst du mehr darüber lesen.]

Passend zu dieser Aussage, trifft es sich gut, dass ich am nächsten Sonntag eine Predigt halte, in der es um das Thema Leid geht.

Eine wichtige Frage dabei ist:
Wie ordnen wir all das Leid ein, dass es in dieser Welt gibt? Macht die Bibel überhaupt einen Unterschied zwischen dem körperlichen Leiden und sonstigen Leiden, wie zum Beispiel (Leiden aufgrund von Unfällen, Naturkatastrophen und Kriegen)?

Will Gott wirklich nicht, dass ich die Erfahrung des Leides machen muss?

Der Text über den ich predigen werde, steht in Römer 8,18-27. Das ganze 8.Kapitel im Römerbrief, (im englischen auch „The Great Eight“ genannt) handelt vom Leid, wie kein anderes Kapitel in der ganzen Bibel.

Suchen wir nach Antworten auf die Frage nach dem Leid müssen wir sie in Römer 8 suchen.

Dort lesen wir, wie Paulus ab Vers 18 dieses Thema aufgreift, in dem er sagt:

„Im Übrigen meine ich, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen, wenn wir an die Herrlichkeit denken, die Gott bald sichtbar machen und an der er uns teilhaben lassen wird.“

1. Das Leiden fällt nicht ins Gewicht

Wir sehen in dem Vers, dass Paulus die Tatsache des Leides nicht verleugnet oder schönredet. Vielmehr anerkennt er, dass Leid zum menschlichen Leben dazu gehört. Dabei macht er keine Unterscheidung welche Art von Leid hier gemeint ist. Er spricht allgemein vom Leid, somit bezieht er alles Leid mit ein.

Sein Trost ist jedoch, dass die Leiden, die wir erleben, zeitlich begrenzt sind. Im Vergleich zu dem, was auf uns Kinder Gottes wartet, fallen die Leiden nicht ins Gewicht.

Der Punkt ist: In diesem Leben gehört das Leid auch für Christen dazu. Nichts anderes will Paulus damit sagen. Aber, wir können es ertragen, weil wir wissen, dass das Leid aufhören wird. Wir haben eine Hoffnung.

Verglichen mit dem was auf uns wartet, ist das Leid hier auf Erden zu vernachlässigen.

Ja, die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden. Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, allerdings ohne etwas dafür zu können. Sie musste sich dem Willen dessen beugen, der ihr dieses Schicksal auferlegt hat. Aber damit verbunden ist eine Hoffnung:

2. Leid ist Teil dieser gefallenen Welt

Paulus führt seinen Gedanken weiter, indem er sich nun auf die Schöpfung bezieht. Er sagt, dass die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen ist.

Die Antwort auf die Frage nach dem Leid liegt als hierin begründet. Als der Mensch Adam am Anfang der Welt in Sünde fiel, indem er das Gebot Gottes übertrat, riß er die gesamte Schöpfung mit. Sie wurde der Vergänglichkeit unterworfen.

Die Leiden in der jetzigen Zeit sind eine Folge davon, dass die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen ist. Somit ist die gesamte geschaffene Welt eine zerbrochene und gefallene Welt, aufgrund des Sündenfalls. Die Schöpfung hatte mit dem Sündenfall des Menschen nichts zu tun, und wurde doch mitgerissen.

Gott, der Schöpfer, hat der Schöpfung dieses Schicksal auferlegt. Die ganze Schöpfung, die Natur, mit all ihren Pflanzen und Tieren, und auch die Menschen, stehen unter diesem Fluch, einer gefallenen und zerbrochenen Welt.

3. Ich bin Teil dieser gefallenen Welt

Und hier wird es nun persönlich. Wir können viel reden über all das bittere Leid in dieser Welt, solange wir nicht davon betroffen sind. Aber irgendwann im Leben kommen wir dahin, dass auch wir dieser schmerzhaften Realität des Leides ausgesetzt sind.

Als Kind Gottes bin ich Teil dieser gebrochenen und gefallenen Welt. Und weil Leid zum Leben in dieser Welt dazugehört, bin auch ich von Leid betroffen.

Im gewissen Sinne will Gott natürlich nicht, dass ich diese Erfahrung des Leides machen muss. Aber Gott hat mich gewollt, als Teil dieser gefallenen Welt. Also hat Gott auch in Kauf genommen, dass ich leiden werde.

Somit ist die Antwort aufs Erste klar. Ungeschönt und schonungslos finden wir das Thema: Leid in der Bibel angesprochen. Leid ist in der Bibel untrennbar verbunden mit unserer Identität als Kinder Gottes. Denn Leid gehört zum Leben in dieser gefallenen Welt. Das macht Paulus deutlich klar.

Aber wir sind nicht allein gelassen in dieser Welt voller Leid.

Was das bedeutet, werde ich dir morgen erklären.

Frage: Wie denkst du über das Thema Leid? Welche Fragen sind bei dir offen? Ich möchte dir gerne helfen, dieses Thema in einer angemessenen Weise zu verstehen.